schrauben

leerlauf

by nullvierblog
oft genug enden die samstägliche fehlersuche und die anschliessenden therapieversuche buchstäblich im leerlauf. diesmal nicht. aber es war knapp.
schon vor der winterpause lief der TI bei leerlaufdrehzahl etwa so rund wie ein lanz bulldog. nicht gerade das was dem komfortverwöhnten  504-käufer im prospekt versprochen wurde. es schüttelte am rotlicht bei eingelegter fahrstufe dergestalt, dass die karrosseriebewegungen von aussen sichtbar waren und die antenne auf dem dach lustig tanzte. im normalen fahrbetrieb hingegen war von der misere nichts zu merken. alles was die nachbarschaft im reihenhausquartier zulässt, hatte ich bis dahin schon probiert. schliesslich stirbt die hoffnung zuletzt. kerzenabstände, verteilerdeckel, mal ein wenig an der 1-2-3 gedreht – keine veränderungen. also zum tester beim profi. dieser identifiziert in 20 sekunden zylinder 4 als übeltäter. weshalb zyl. 4 für den tester zyl. 3 ist, BLEIBT mir dabei ein rätsel, trotz  geduldiger erklärungsversuche meines chefschraubers. die zündungswerte sind grundsätzlich i.o. dafür das hc bei giftigen 1000 statt bei 150. also muss irgendwas mit der benzinzufuhr nicht stimmen. oder? das kann beim TI im desaster enden. ich kämpfe mühsam gegen die aufkommende panik des halblaien, versuche dem chef positive aussagen abzuringen. vergeblich. mit der stoischen ruhe des profis werde ich instruiert: alle 3 ventile der kugelfischer zu zylinder 4 mit denen für zylinder 3 tauschen. dann sehen ob nun 3 statt 4 tot ist.

schon beim  einspritzventil am saugrohr wird scheinbar klar wo der hase im benzin liegt. die bilder zeigen das spritzbild von ventil 4 und dasjenige von zylinder 3. erleichterung macht sich breit. im keller  schnell die wurmbüchse geholt und ein anderes gebrauchtes einspritzventil eingebaut. das mittagessen, zuhause bei frau und kind, scheint gerettet. leider nur scheinbar. zylinder 4 streikt immer noch. trotz perfektem spritzbild der düse. also weiter schrauben. die moral sinkt exponentiell. nun brauche ich einen schnellen erfolg. als am pumpengehäuse die ventile am pumpeneingang bzw. am -ausgang gewechselt sind und immer noch kein erfolg da ist, beginne ich mir schon zu sagen, dass ich ja noch ein anderes auto habe. alles was billig wäre scheint nun ausgeschöpft. die stirnfalte des schweigenden chefschraubers ist tief. mir ist auch nicht mehr ums fragen. er macht noch eine kompressionsmessung. ich verstehe. loch im kolben. mindestens. mir wird schlecht. 

das resultat ist nicht erfreulich. kolben 4 muss ein loch haben. oder zerbröselte kolbenringe. bei einem 504? plötzlich werde ich aufgefordert den ventildeckel auszubauen…wie bitte? muss jetzt der zylinderkopf RUNTER? läuft doch wasser in zylinder 4? warum denn bitte bleibt der kühler voll? hä? und kein weisses räuchlein weit und breit?! mach diesen deckel sofort wieder zu! vor lauter nervosität begreife ich erst gar nicht was los sein könnte – als der chef, etwas von blattlehre murmelnd, in richtung werkzeugwagen verschwindet. kommt sodann zurück und schickt mich mit einem 24er schlüssel in die grube. ich soll an der kurbelwelle drehen. ventile einstellen. genau. das auslassventil zu zylinder 4 hat kein spiel. schlimmer. weniger als kein spiel. es schliesst nicht mehr.

das ende ist schnell erzählt. ventilspiel sorgfältig eingestellt und das kompressionsbild verbessert sich deutlich. motor starten – und alles ist gut.

die versprochene zubereitung des mittagessens liegt zeitlich nicht mehr drin. also schnell zum drive-in und was mit nach hause nehmen. im 504. schiebedach offen.

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9 replies »

  1. Mann, sollte das auch bei uns die Lösung eines Problems sein? Der Champagner-Wagen mag jetzt nicht so richtig laufen im untersten Drehzahlbreich. Über 2000 UpM geht alles ziemlich normal, im Stand und beim Juckeln kommt dagegen echtes 3-Zylinder-was-ist-nur-mit-der-Karre-los-Feeling auf. Die von euch praktizierte Fehlersuche steht uns jetzt bevor, wenn das Wetter hoffentlich bald Lust dazu macht.
    Gut, dass wir auch so eine Wurmbüchse haben.
    Dazu macht das Gebläse Geräusche wie eine Säge, der erst vor 2 Jahren getauschte Anlasser tut keineswegs immer das, was er soll, sondern hat gelegentlich scheinbar keinen Bock. Uns Monsieur Brunos famose Stoffpolster warten erst auf ihre Schamponierung und dann auf ihren Einbau, um die Besitzer zu beglücken.
    Bis zur nächsten Route wollen wir es aber schon im Griff haben.

  2. bei euch tippe ich auf die zylinderkopfdichtung. oder wurde die schon gewechselt? die sind manchmal nach 10 tausend schon wieder durch. vor allem wenn man ab und zu guzzi gibt und ein nordafrikanisch beschriftetes ersatzteil eingebaut wurde. beobachtet den kühlwasserstand auch wenn kein oder wenig dampf im abgas sichtbar ist. hatte das schon an zwei 504. wasser läuft in den zylinder und löscht das feuer. ab einer gewissen drehzahl mag’s dann doch zünden.

  3. Ja, die ZKD wurde schon gewechselt. So um das Jahr 1988. 🙂

    Ich persönlich bin ja sowieso bekannt dafür, hinter nahezu jeder Auffälligkeit eine defekte Zylinderkopfdichtung zu vermuten. Als wir die 504er noch „regulär“ in den 90er Jahren fuhren, war das Wechseln der Zylinderkopfdichtung unsere Standardreparatur. Alle 2 Jahre oder noch öfter war es wieder so weit, am Ende konnte ich das Ganze alleine in weniger als 4 Stunden abwickeln.

    Na, schauen wir mal. (Der Wasserstand ist übrigens konstant.)

    Was meinst du aber damit, wenn man „guzzi“ gibt? So etwas machen wir doch nicht. Niemals.

  4. Hallo!

    Ich lasse mittlerweile jedes Jahr die Ventile einstellen. Weil der heutige Sprit nix taugt und v.a. kein Blei mehr enthält. 🙂 Seit dem ist Ruhe. Bei mir saß auch mal ein Ventil fest mit dem gleichen „Ruckel-Resultat“ wie bei Euch.

    Ich habe jetzt übrigens den perfekten Motorlauf dank 1-2-3-Ignition, gut eingestellten Ventilen und einem nagelneuen Zenith INAT 35/40-Vergaser. Der Wagen fährt samtig-seidig und wie neu. Kein Schütteln mehr bei roter Ampel und eingelegter Fahrstufe – das Geld und die Mühe, ein Neuteil aufzutreiben, haben sich wirklich gelohnt!

    Gruß!
    Michael

    • ja ich bin nur noch am rätseln, wie es zum verstellten ventilspiel kommen konnte. habe erst vor knapp 5000km die kopfdichtung gewechselt, inkl. kopf planen versteht sich. dann vorschriftsgemäss nach 3000km nachgezogen und ventile neu eingestellt…dann kein jahr später das…eine einlaufenden nockenwelle kanns ja nicht sein, dann würde das ventil nicht mehr öffnen und nicht offen bleiben. so versteh‘ ich das zumindest…also ich wart‘ mal ab und kontrollier nun regelmässiger.

  5. Koinzidenz

    Da haben wir heute endlich einen Basteltag einlegen können, am Feiertag.
    Der Leerlauf, der untere Drehzahlbereich – die Wurmbüchse? Ach was, fangen wir doch auch mal mit den Ventilen an, wenn’s in der Schweiz schon geklappt hat…

    Wir drehen an der Kurbelweille, bei uns braucht man einen 36er statt eines 24ers, um E1 ganz zu öffnen. A3E4A4 – nanu? Die 25er Lehre geht nicht dazwischen, die 20er nicht, gar keine passt.

    Alles Weitere ist bekannt.

    Aber warum A4? Weil Ihr unsere Vorbilder seid? Vielleicht eine Erklärung, wenn da nicht die Sache mit dem 309 wäre. Weil es im 34. Jahr meistens A4 ist? Weil es überhaupt immer A4 ist? Nein, weil nur solche Koinzidenzen letztendlich das Universum zusammenhalten.

    Der Wagen fährt wieder wie er soll. Wir haben dann nur noch mit dem Schamponieren der Polster angefangen.

    Der Rest war Feiertag.

    • memmen! erst alle kugelfischerventile ausbauen tauschen und wieder einbauen und wieder tauschen und wieder einbauen! genau. und dann kommt mir in denn sinn…ist das vielleicht die ZWEITE gratisferndiagnose an euerm klepper? wie könnt ihr das nur jemals kompensieren?

  6. Jeder Mensch auf der Welt sollte einen netten Schweizer kennen, der ihm seine Probleme löst. Und: aller guten Dinge sind 3.

  7. und genau. ‚Von einer Koinzidenz zweier oder mehrerer Ereignisse auf einen kausalen (ursächlichen) Zusammenhang zu schließen, stellt logisch betrachtet einen Fehlschluss dar (cum hoc ergo propter hoc)‘. wobei in der argumentation steiners wäre dies doch wieder anders zu betrachten. insbesondere wenn man das aus der sicht der das universum möglicherweise zusammenhaltender kräfte betrachten möchte. was mir aus beruflicher sicht nicht immer ganz erspart wird…

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