fahren

2000 km

es ist ein wettlauf gegen den winter. aber ich will wissen, wie es um die karre wirklich steht. lange wurde sie nur sehr wenig bewegt. da hilft nur eines: fahren und nochmals fahren. und zwar im alltag. zum supermarkt, die 130km zur arbeit und den kleinen zur oma. nur so kommt erkenntnis.

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im täglichen monsterstau vor härkingen steigt dann auch prompt die kühl-wassertemperatur beängstigend an. als kurz darauf die heizung nur noch kalt bläst, kommen erinnerungen an die nächtliche 104 überführung vor ein paar  jahren auf. luft im kühlsystem. da hilft im stau auf die schnelle nur die mineral-wasserflasche vom rücksitz. und zuversicht. die temperatur sinkt aber sofort und bleibt vorerst unten. in der folgenden nacht jagen mich die albträume. verfaulte kopfdichtungen und ähnliche katastrophen. trotzdem fahr‘ ich am folgenden abend mit einer arbeitskollegin zu einem geschäftlichen termin auf einen bauernhof im allerhintersten emmental. gotthelfszene pur. lange nach einbruch der nacht wollen wir nach einer monstersitzung müde den heimweg antreten. die fahrt vom dunklem gehöft zurück in die zivilisation wird aber zur unfreiwilligen irrfahrt durch absolut tintenfinstre nacht. das navi versteht über-haupt nichts mehr und sterne als navigationshilfe sind auch keine mehr zu sehen. nur noch landwirtschaftliche wege und nebel weit und breit. meine beifahrerin (fährt zivil eine 13er giulietta) behält erstaunlichen humor und ist zuversichtlich, dass wir den ausgang aus der finsternis noch rechtzeitig finden. was sie zu diesem zeitpunkt nicht ahnt ist, dass die kühlwasseranzeige bereits wieder leicht rot anzeigt. und dass die karre bei gaswegnahme ständig aus zu gehen droht. also ist die leeraufdüse wieder mal zu. dank teilweise ausgefallener instrumentenbeleuchtung sieht sie zudem nicht die schweissperlen auf meiner stirn. auch fällt ihr offenbar nicht auf, dass ich schon lange keine antwort mehr gebe auf ihre optimistischen aufmunterungen bezüglich eines ausweges aus diesem labyrinth. aber antworten geht einfach nicht, wenn du einen automatikwagen ständig am absterben hindern musst. und anhalten zum wasser nachfüllen geht jetzt auch nicht. nicht wenn man keine ahnung hat wo man ist und damit rechnen muss, dass die karre am ende warm nicht mehr anspringt. der pannendienst würde uns nie finden. nicht vor dem morgengrauen… irgendwann wird’s dann plötzlich doch heller am tief hängenden nebelhimmel. ein dorf kommt in sichtweite. vor der örtlichen post angehalten und im lichte der leuchttafel schnell ein wenig mitgebrachtes kühlwasser eingefüllt. meine kollegin wird immer noch nicht misstrauisch. schliesslich ist das ein altes auto. und postkutschen mussten früher auch anhalten um die pferde zu tränken. gleich noch die leerlaufschraube durchgepustet (der luftfilter ist genau aus diesem grund abgeschraubt im kofferraum untergebracht) und endlich kann’s vernünftig nach hause gehen. die nächsten tage verbringe ich mit der fehlersuche. systematisches vorgehen macht hier sinn und bringt am ende die lösung sowie zusätzlich erkenntnis über den zustand des kühlsystems. der thermostat funktioniert wie er soll, ebenso der viskolüfter, auch scheint der kühler innen sauber zu sein. die nagelneuen kühlerschläuche sowie ein weiterer tipp von peter bringen mich am ende auf die richtige spur. das einfüllen von frischem kühlwasser nach einer leerung muss nach einem komplexen prozedere erfolgen, welches im werkstatthandbuch genau beschrieben ist. wird das nicht so gemacht, bleibt luft im system hängen. und tatsächlich: korrekt gemacht ist plötzlich gut mit der temperatur und der wasserstand bleibt konstant. auch bezüglich des sägenden leerlaufes bin ich einen schritt weiter. das schöne an vergaseranlagen ist, dass man -fast- alles von auge beobachten kann.. so fällt mir irgendwann auf, dass das schwimmergehäuse des doppelvergasers im leerlauf alle 10 sekunden leicht überläuft und somit immer ein paar dicke tropfen sprit zu viel in die ansaugrohre gelangen. dies führt dazu, dass sich die anlage regelmässig verschluckt. und weil wir hier über ein voll durchschaubares system sprechen, kann das ganze nur genau zwei ursachen haben. garantiert! von solchen aussichten träumen wir bei einem kugelfischer-auto vergeblich. also: entweder schliesst das filigrane nadelventil nicht mehr korrekt, wenn das schwimmergehäuse voll ist (aufgrund z.b. des vielen drecks aus dem tank) oder das schwimmerniveau ist grundsätzlich zu hoch. und wie senkt man dieses? durch verbiegen der halterung. verbiegen! ich liebe diese überschaubare technik. bisher wenig ahnung von diesen gasfabriken, finde ich das mittlerweile richtig cool. irgendwie kommt es meinem spieltrieb extrem entgegen. ein wenig unter-lagen und schnittzeichnungen studieren, dann reinigen, schrüübeln und basteln – und: es läuft! das war zuletzt bei meinem 2-gang sachs 503 so. vor 30 jahren.

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zum ende einer ereignisreichen autowoche läuft dann die karre schon so gut, dass ich mich sogar mitten in die grosse stadt traue. zu einem vernünftigen cordon-bleu mit einem 4-zylinder fahrer. aber gut…

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