fahren

durchatmen

marokko ist gekippt und bis trieste regnet es dauer. bleibt die substanz der idee. eine woche, eine alte karre und ein paar kurvige strassen.
DSC_6671die ersten 300 km führen uns durch den regen in die region von genf. wir buchen das aus ‚en route‘ bestens bekannte – aber deshalb nicht weniger zweifelhafte – motel an der autobahn richtung lyon. ein motel, vor welchem nach 22h immer etwa die gleiche art karren im neonlicht rum stehen und in welchem die türen bis in die frühen morgenstunden munter auf und zu gehen. spät abends beugen wir uns dann noch über die strassenkarten und beschliessen den ersten richtigen reisetag mit dem besten croissant von lyon zu beginnen. um dieses ausfindig zu machen, nehmen wir digitale hilfe in anspruch. allein, mir bleibt zweifel, ob es sich an einem montag morgen so einfach mitten in’s zentrum von lyon fahren lässt, so wie roger das leichten sinnes vorschlägt.
DSC_6678aber genau das wird überraschenderweise wahr. sogar einen parkplatz am trottoir, unweit der top-rating-geheimtippboulangerie, findet roger. meine rechthaberseele wird ein erstes mal auf harte probe gestellt. das croissant ist top und im café sitzt man auch bei kühlen temperaturen draussen, die clichés bedienend. interessant und leicht verbraucht aussehende dauerstudenten – zum espresso rauchend – in ‚le temps‘ oder balsac vertieft oder so.
DSC_6685die zahlreichen wetterapps konsultierend, beschliessen wir das rhônetal zu verlassen und durch die ardèche weiter nach süden zu fahren.
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roger’s coupé läuft unglaublich gut. leere strassen, voller tank. dazu baguette, käse und saucisson pur porc im kofferraum. langsam geht der alltag und roger wird immer übermütiger. zu abend essen möchte er im alten hafen von marseille. die karre dort parken und vernünftig übernachten auch. wieder regt sich kurz widerstand in mir. marseille? das kann nun unmöglich sein. lyon vielleicht. aber nicht marseille! als sich fred’s hastig eingeholter über-nachtungstipp dann als ausgebucht entpuppt, keimte kurz hoffnung in mir auf. vergeblich laberte ich noch irgendwas von einem neu eröffneten kunstmuseum in arles – das klappt bei roger sonst eigentlich schon – aber es war nichts mehr zu machen.
DSC_6692mittlerweile schon später nachmittag, wählten wir ein stück autoroute als verbindungsettappe. doch zuerst musste die bei höheren tempi bedenklich flatternde lufthutze mittels eines kabelbinders dingfest gemacht werden. von der seite sah die karre nämlich aus wie pac-man, einmal 120 km/h überschritten.DSC_6695

es kam dann wie es kommen musste. wir fuhren ziemlich ungehindert ins zentrum, parkten in der tiefgarage und fanden via supertelefon sofort ein tipptoppes hotel für geradezu lausige 70 dukaten. 50 meter von der tiefgarage und 50 meter vom hafenbecken.
DSC_6724roger würde auch einen parkplatz unter dem eiffelturm finden, das war nun klar. bouillabaisse essen und klappe halten also.
DSC_6743unweit der rue des pistoles. erstaunlich wenig gentrifiziert zeigen sich die gässchen rund um den vieux port de marseille. eine frage der zeit?
DSC_6741spuren des protestes lokaler kulturschaffender. ein jahr nach dem jahr marseilles als kulturhauptstadt europas.
DSC_6752der weg raus aus der grossen stadt wird dann (wusst‘ ich’s doch!) ein wenig mühsam. die navis drehen hilflos im kreis, die kugelfischer spuckt und stottert in der hitze des gefechts. aber irgendwie kann uns das alles nichts mehr anhaben, nicht einmal die einbahnstrasse mit gegenverkehr. und einmal raus, könnte der kontrast nicht grösser sein. noch ein kurzer blick zurück. vor uns  grüne hügel, ein hübscher col und leere strassen.
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den abend wollen wir wieder am meer verbringen. dort wo auch sarko seine carla gerne am plage spazieren führte. da der weg dorthin aber viel zu kurz erscheint, fahren wir eine schleife richtung gorges du verdon. weisse strassen auf den michelin karten.
DSC_6769mittagsruhe am strand. lac de st. andré.
DSC_6771route des crêtes im frühling.
DSC_6775sie nennen das ‚grand canyon du verdon‘. im sommer könnt ihr das hier vergessen.
DSC_6785dann stehen hier links und rechts 6-meter camper. und die fahren trotzdem auf den weissen strassen auf den michelin karten.
DSC_6786pausentag. am schönsten strand der côte. keine siedlung weit und breit. dafür sonne, sand und weinreben zwischen den pinien. und ein salade océane zu mittag.
DSC_6788weiter geht es richtung piemont. dazwischen liegen die spektakulären seealpen.
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wir schonen den zweiliter nicht. er scheint sich gar richtig wohl zu fühlen, für diese art strassen gemacht. der klang wird zunehmend sonorer. ein phänomen, welches sich immer wieder zeigt, wenn das endrohr innen weiss wird, statt russig schwarz.
DSC_6795wenn wir schon dabei sind alle clichés zu bedienen, dann richtig.
DSC_6803dieses hält alle seine versprechen.
DSC_6805und ist an schönheit schwer zu überbieten. auch mit nicht ganz sooo langen messern.
DSC_6809hart an der französisch-italienischen grenze dann diese französisch-italienische ruine. schön, dass die noch nicht europäisch weggeräumt ist.
DSC_6814ein verlassener italienischer tanzpalast. legendär waren sie in den 80ern. prägten einen ganzen musik- und modestil. italodisco. gerüchte über riesige raumschiffattrappen, welche sich aus der tanzfläche erhoben und psychedelische lasertunnels lockten zu nächtelangen fahrten gen süden. von freitag bis sonntag. 2 tankfüllungen, 4 pack gauloises blondes und zwei prinzenrollen. das musste reichen. gerne wären wir hier rein um zu sehen was übrig blieb. aber es schien uns dann doch ein wenig gefährlich. schliesslich sind wir auch schon über vierzig. also ich.
DSC_6821lieber der sichere weg. un bar, gelato und espresso. das können sie definitiv besser als die franzosen. viel besser.
DSC_6822saluzzo, piemont. hier gibt’s dann zum abschluss der tour noch richtig gut zu essen. und am nächsten morgen eine unglaubliche szene, welche wir vor lauter schreck nicht rechtzeitig fotografisch festhalten konnten. stell dir vor, du landest mit einem alten auto und mit einer schweizer autonummer inmitten eines geherwettbewerbes. gehen. sport. alles klar? wir wollten eigentlich nur eine abkürzung über’s feld nehmen. plötzlich war alles gesperrt. kein ausgang mehr. gestikulierende streckenposten. du fährst also im völlig unauffälligen 504 coupé hinter einer phalanx aus seltsam schwingenden hinterteilen, welche sich irgendwie lustig gegengleich zum gummigen oberkörper verhalten. anhalten geht nicht. du darfst den fluss des ernst zu nehmenden wettbewerbes nicht behindern. einer der gestikulierenden streckenposten weist uns endlich einen weg hinaus. dieser führt aber ausgerechnet mitten durch die  menschenmenge im zielraum. unter dem zieltransparent hinduch, die menge im schritttempo teilend, sucht sich das coupé den weg. das auto, nicht wir. wir sitzen starr vor schreck und pein. wir hätten es gerne bewiesen mit einer photo. aber wie schon damals, als uns eine herde pferde den 505 zertrampelte. uns fehlt der nerv zu fotografieren in grenzwertigen situationen. daran müssen wir noch arbeiten. DSC_6834

gegen diese erfahrung war der angekündigte schnee am grossen sankt bernhard dann nur eine leichte nervenprobe. dies, obwohl die klassischen vredestein sprint überhaupt keinen spass verstehen bei nässe. die überraschende drift-einlage auf einer nassen autobahnrampe bleibt unvergessen. so wie die ganze autoreise im frühling.

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