strassenrand

mit allen vieren

IMG_2731.jpgwie ein störrisches kamel hat sich die karre während der verkaufsprobefahrt plötzlich mit allen vieren in den asphalt gestemmt. und damit eine rückkehr in die EU vorerst erfolgreich verhindert. um uns alle an der nase rum zu führen, hat der RC dabei einigen aufwand getrieben. doch von anfang: zwei männer fahren an einem schönen samstag mal eben aus dem ruhrgebiet in die schweiz. um mal eben meinen RC probe zu fahren. soweit ok. es soll im nördlichen nachbarland angeblich keine guten blauen mehr geben. und klar, eine vernünftige herkunft mit entsprechender wartungsgeschichte ist bei dieser art auto schon ein paar autobahnkilometer wert. dazu eine prise ‚auto-aus-der-schweiz-mythos‘ und ein wohlbekannter freund, welcher dem armen interessenten vermutlich drei dutzend mal eingetrichtert hat: ‚wenn der nullvier sagt, die karre ist gut, dann ist sie gut.‘ natürlich ohne, dass ich davon gewusst und dies gutgeheissen hätte. klar, ich verkaufe keine kaputten autos. also eigentlich. aber ganz alleine bin ich dann auch nicht schuld. der RC hatte uns bereits am freitag gewarnt, und ich darauf noch rechtzeitig die deutschen. denn an jenem morgen bin ich noch runter in die tiefgarage, wollte den wagen volltanken und waschen. doch den zündschlüssel gedreht, blieb alles schwarz. kein klicken. schwarz und still. obwohl ich vor einer woche noch unterwegs war, lag die batteriespannung noch bei lausigen 0.6 V. ich verstand die welt nicht mehr. da war garantiert kein verbraucher an. wie war das möglich? das hektisch kontaktierte houston (ich will doch den wagen morgen verkaufen, und die kommen von weit her!!) meinte nur lakonisch, dass das schon sein könne. vermutlich der alternator. dieser könne die batterie auch im stillstand leeren wenn gerade die richtige diode kaputt sei. danke houston. ein alternator lässt sich nicht mehr auftreiben an diesem freitag. überraschenderweise  informiert mich dann deutschland darüber, dass man sich um solche kinkerlitzchen foutiere, die reise schon geplant sei und sich eine probefahrt ja sicher auch ohne alternator – ‚aus der batterie‘ – realisieren lasse. hier haben wir alle nicht verstehen wollen, dass dies nur des RC’s erste warnung gewesen war. am samstag dann, mit zwei batterien, auf zur ausführlichen probefahrt auf den spuren der ‚en route‘. der weit gereiste interessent sucht schliesslich explizit ein fahraktives auto und möchte dies auch gerne auf artgerechtem geläuf erfahren. allzu weit kommen wir allerdings nicht. nach rund einer halben stunde werden die abstände zwischen dem pacecar und dem RC immer mal wieder grösser als erwartet, bis dieser plötzlich ganz im rückspiegel verschwindet, im letzten moment noch notsignale aus den scheinwerfern absetzend. was ist passiert? die karre hat sich entschieden die probefahrt zu beenden und selbständig zu bremsen. und zwar auch im stand. und zwar richtig heftig. dergestalt, dass wir den wagen nur noch mit mühe von der strasse bringen. m’enfin? die handbremsseile sind neu, die hebel bewegen sich leichtgängig. ausserdem sind ALLE vier felgen heiss. ein anheben mit dem wagenheber bestätigt: auch die vorderen räder bremsen im stand. drei leute kratzen sich erst einmal ausgiebig an den köpfen. klar, so heiss gebremst wurden die bremsen wohl eine zeit lang nicht mehr. aber die sind eigentlich in gutem zustand. und: eine hängende zange könnten wir ja noch glauben. aber vier? vier tun das nicht gleichzeitig. zum glück ist das kontrollzentrum in houston erreichbar. es folgen verschiedene versuche diverse stecker und sicherungen zu ziehen. dabei hilft ein kleiderbügel auch unzugänglichste steckerverriegelungen zu knacken.  wir hegen die vage hoffnung, dass der defekte alternator verwirrende signale über das bus-system an das abs-steuergerät senden würde. aber alles nützte nichts. und die rettende, furchtbar triviale idee kommt diesmal erst viel später, am abend, am dorffest beim bier. doch da ist es schon zu spät. der RC muss die nacht ganz alleine im wald verbringen. weit ab jeder zivilisation. kein gutes gefühl. unser potentieller käufer meint am abend noch, weshalb wir nie versucht hätten, das bremspedal mechanisch zurück zu ziehen. aber zu diesem zeitpunkt mochte niemand mehr diesen gedanken weiter verfolgen. ein original kleindörfliches reb- und braufest unter sommerlichen bäumen vermochte den frust des nachmittages einigermassen aufzufangen und die stimmung zu halten.
am sonntag schickte houston dann endlich die rettungskapsel. wir reisten also zurück in den wald, irgendwo im aargauer jura. beim test, ob sich die sache über nacht womöglich erledigt hätte, fällt dani sofort auf, dass die bremslichter nicht brennen. die kontrolle des bremslichtschalters ergibt dann auch gleich die lösung aller probleme. der schalter hat sich nämlich verklemmt. und dabei verhindert, dass das bremspedal vollständig in die ruheposition zurückkehren konnte.  es ging dabei um wenige milimeter. unfassbar. und weil der kolben im hauptbremszylinder deshalb nicht ganz zurück fahren konnte, blieb die rücklaufbohrung ins ausgleichsgefäss verschlossen. und die sich durch die dauernde bremswirkung aufheizende und damit ausdehnende bremsflüssigkeit konnte somit nicht fliehen und hat konsequenterweise den druck auf die bremsen kontinuierlich erhöht. bis sich die karre mit allen vieren gegen den asphalt gestemmt hat. und uns so richtig genarrt. IMG_2735.jpgum die acht schweizer fränkli soll das teil kosten welches uns diesen streich gespielt hat.  es ist mittlerweile ersetzt, ebenso der alternator. und meine freunde aus dem ruhrgebiet kommen im august wieder vorbei. zur probefahrt.

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Kategorien:strassenrand

2 replies »

  1. Versteh‘ die ganze Aufregung nicht. Die kleine Blaue hat doch in Erwartung ihrer neue Heimat nur gemacht, was da alle tun: Schon mal die täglichen Verkehrsmeldungen für das Ruhrgebiet gehört? Alle STEHEN dort immer überall 😈…

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